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ArthroseWissen
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Verständlich, belegt, ohne Versprechen

Warnzeichen, bei denen Abwarten falsch ist

Gelenkbeschwerden lassen sich über weite Strecken beobachten und einordnen. Es gibt jedoch Situationen, in denen Selbstbeobachtung die falsche Strategie ist. Diese Seite benennt sie klar, damit Sie sie im Ernstfall erkennen.

Situationen, die keinen Aufschub vertragen

Bestimmte Konstellationen erfordern eine zeitnahe ärztliche Untersuchung, unabhängig davon, ob bereits eine Arthrose bekannt ist. Dazu gehören:

  • ein Gelenk, das plötzlich heftig schmerzt
  • ein Gelenk, das deutlich anschwillt und dabei gerötet und überwärmt ist
  • Gelenkbeschwerden zusammen mit Fieber, Schüttelfrost oder ausgeprägtem Krankheitsgefühl
  • ein Gelenk, das blockiert ist und sich weder strecken noch beugen lässt
  • Beschwerden, die unmittelbar nach einem Sturz oder einer Verdrehung auftreten
  • ein Bein oder Arm, das nach einem Ereignis nicht mehr belastbar ist

Auch eine sichtbare Fehlstellung nach einem Unfall gehört dazu. Ebenso gehört ein Gelenk dazu, das sich nach einer Injektion oder Operation neu entzündet zeigt.

Der Grund für diese Dringlichkeit liegt in den möglichen Ursachen. Hinter einem stark gereizten, überwärmten Gelenk kann unter anderem eine Infektion stecken, die rasch behandelt werden muss; auch andere Erkrankungen wie ein Gichtanfall kommen infrage. Ein blockiertes Gelenk kann auf ein mechanisches Hindernis hinweisen. Beschwerden nach einem Sturz können auf Brüche oder Verletzungen von Bändern zurückgehen, die im Röntgenbild oder in der Untersuchung erkannt werden müssen und die bei Verzögerung schlechter ausheilen. In all diesen Fällen ist die Frage nicht, ob es sich um Arthrose handelt, sondern ob etwas anderes vorliegt.

Zeichen, die zeitnah geklärt werden sollten

Neben den akuten Situationen gibt es Beobachtungen, die keinen Notfall darstellen, aber nicht monatelang liegen bleiben sollten. Dazu zählen eine deutliche Verschlechterung innerhalb weniger Wochen, Schmerzen, die regelmäßig nachts auftreten und den Schlaf stören, eine zunehmende Bewegungseinschränkung, wiederkehrende Schwellungen desselben Gelenks, ein Gefühl von Instabilität mit Einknicken sowie neu aufgetretene Beschwerden an mehreren Gelenken gleichzeitig. Auch eine ausgeprägte Morgensteifigkeit, die sich lange hinzieht, gehört fachlich beurteilt, ebenso Beschwerden, die ohne erkennbaren Anlass begonnen haben. Ebenfalls klärungsbedürftig ist, wenn ein bislang unauffälliges Gelenk ohne erkennbaren Grund Beschwerden entwickelt oder wenn sich die gewohnte Belastbarkeit deutlich verändert hat.

Hinzu kommen allgemeine Zeichen, die über das Gelenk hinausweisen: ungewollter Gewichtsverlust, anhaltende Müdigkeit, Nachtschweiß, Hautveränderungen, Augenentzündungen oder Beschwerden, die im Zusammenhang mit einer anderen Erkrankung auftreten. Solche Kombinationen werden ärztlich anders eingeordnet als isolierte Gelenkbeschwerden und können auf eine systemische Erkrankung hinweisen. Ebenfalls ein Grund für einen Termin sind Taubheit, Kribbeln oder Schwäche in Arm oder Bein. Notieren Sie in solchen Fällen, seit wann die Zeichen bestehen und wie sie sich entwickelt haben, und vereinbaren Sie einen Termin, statt es zunächst weiter zu beobachten. Nennen Sie diese Begleitzeichen aktiv, auch wenn danach nicht gefragt wird.

Wenn Selbstmanagement an Grenzen stößt

Auch ohne Warnzeichen gibt es einen sinnvollen Zeitpunkt für ärztliche Begleitung. Er ist erreicht, wenn Sie Ihren Alltag spürbar umbauen, um Beschwerden auszuweichen: wenn Sie Wege meiden, Aktivitäten aufgeben, gesellschaftliche Termine absagen oder Ihre Arbeit nur noch eingeschränkt bewältigen. Ebenfalls ein Signal ist, wenn Sie beginnen, regelmäßig frei verkäufliche Mittel einzunehmen, um durch den Tag zu kommen, oder wenn Sie deswegen schlecht schlafen. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein sachlicher Hinweis darauf, dass eine Einordnung nötig ist und die bisherige Strategie nicht mehr trägt. Auch wenn Angehörige Ihnen sagen, dass sich Ihr Gang verändert hat, ist das ernst zu nehmen.

Ein weiterer Anlass ist Unsicherheit über die Belastung. Wenn Sie nicht wissen, wie viel Bewegung angemessen ist, ob eine Aktivität schadet oder wie Sie nach einer Reizung wieder einsteigen, ist das eine gute Frage für die Sprechstunde und für die physiotherapeutische Begleitung. Diese Unsicherheit führt häufig dazu, dass Menschen aus Vorsicht gar nichts mehr tun, was die Situation verschlechtert. Vermeiden Sie es, sich auf Empfehlungen aus Foren oder Werbung zu verlassen. Diese Seite kann Ihnen helfen, Fragen zu formulieren; sie kann und darf Ihnen nicht sagen, welche Belastung oder welche Behandlung für Ihr Gelenk richtig ist.

Wohin Sie sich wenden können

Erster Anlaufpunkt ist in der Regel die hausärztliche Praxis, die eine Einordnung vornimmt und, wenn nötig, weiterverweist. Für Gelenkerkrankungen sind je nach Fragestellung die Orthopädie und Unfallchirurgie oder die Rheumatologie zuständig; bei Verdacht auf eine entzündlich-rheumatische Erkrankung ist eine zügige Vorstellung wichtig, weil Wartezeiten in diesem Bereich lang sein können. Außerhalb der Sprechzeiten hilft in Deutschland der ärztliche Bereitschaftsdienst unter der bundesweiten Rufnummer 116117. Bei einem Notfall, etwa nach einem schweren Sturz mit Verdacht auf einen Bruch, ist der Rettungsdienst über 112 zuständig. Halten Sie diese Nummern griffbereit, damit Sie im Ernstfall nicht suchen müssen.

Bereiten Sie den Kontakt vor, damit er effizient verläuft. Hilfreich sind: seit wann die Beschwerden bestehen, wo genau sie sitzen, wie sie sich verändert haben, was sie auslöst und lindert, welche Warnzeichen aufgetreten sind, welche Vorerkrankungen und Verletzungen bestehen und welche Präparate Sie einnehmen, einschließlich frei verkäuflicher Mittel. Bringen Sie Vorbefunde mit und überlegen Sie vorab, welche eine Frage Ihnen am wichtigsten ist. Wenn Sie unsicher sind, ob eine Situation dringlich ist, fragen Sie lieber einmal zu viel nach. Eine telefonische Rückfrage in der Praxis kostet wenig und klärt in vielen Fällen schnell, wie schnell ein Termin nötig ist.